Ein Wunsch von Weihbischof Grave

Weihbischof Franz Grave hat unser Musical „Nikolaus Groß“ und im vergangenen Jahr das Barbaraoratorium so gut gefallen, dass er mit der Bitte an Herrn Kölsch und mich und damit auch an unsere Gemeinde herantrat, ein Musical zu schaffen für ADVENIAT über die „Jungfrau von Guadalupe“ und Juan Diego. Ich wusste gar nicht, wer das war. Für einen Priester mehr als eine peinliche Bildungslücke.

Meine Recherchen ergaben: Guadalupe am Rande von Mexico-City ist mit 21 Millionen Pilgern der weitaus größte Wallfahrtsort der Welt. Das Bildnis der Jungfrau befindet sich weltweit allerorten: als Mosaik neben dem Petrusgrab in Rom, auf dem Schreibtisch Papst Johannes Paul II, bei der Klagemauer in Jerusalem und in zahllosen Häusern, öffentlichen Gebäuden und Kirchen. Am 12. Dezember ist der große Festtag der Jungfrau von Guadalupe. An diesem Tag reißen sich viele Sängerinnen, Sänger und Musiker darum, vor dem Gnadenbild in der großen Kathedrale in Mexico zu singen und zu spielen und der „Virgin“ das traditionelle Geburtstags- und Liebesständchen „...“ zu bringen.

In der Stadt und im ganzen Land finden an diesem Tag Umzüge und Tänze statt zu Ehren der Gottesmutter. Ihr Freund, der Indio Juan Diego, dem sie 1531 erschien, wurde 2002 als erster Ureinwohner Amerikas von Papst Johannes Paul II heiliggesprochen. Sein Festtag ist der 9. Dezember.

„Unsere liebe Frau von Guadalupe“, wie sie auch genannt wird, ist die Patronin von ganz Amerika. In den Jahren nach der Erscheinung wurde der ganze Kontinent Lateinamerika schlagartig katholisch. Und das war nicht das Werk der Missionare. Wie kam es dazu?

Die Gottesmutter erschien dem armen Indio Juan Diego und bildete sich ab auf seinem erbärmlichen Umhang, Tilma genannt. Diese Tilma ist das heutige Gnadenbild in der Kathedrale von Mexico-Guadalupe.

Dass es die Tilma von dem Aztekenindio Diego überhaupt noch gibt, ist schon ein Wunder. Die Kleidung der ärmlichen Leute bestand aus Agavefasern, die spätestens nach 20 Jahren verrottet waren. Und der Umhang ist heute schon fast 500 Jahre alt. Dazu noch das Bild der Gottesmutter auf der Tilma: es strahlt wie eh und je. Die Farben verblassen nicht. Eigentlich sind da überhaupt keine Farben. Die Wissenschaft hat etliche Fasern untersucht, keine Farbe zu finden. Und doch – schaut man die Tilma an – sieht man das farbenprächtige Bild.

Natürlich haben manche Wissenschaftler nach dem Motto: „was nicht sein kann, das nicht sein darf“ versucht, irgendwelchen Betrügereien auf die Spur zu kommen: erfolglos.

Mit allen modernen Mitteln der letzten Jahrzehnte wurde die Tilma untersucht. Immer das gleiche Ergebnis: ein farbiges Bild ohne Farbe, nicht gemalt, nicht gepinselt, nicht aufgetragen, nichts zu kopieren, nichts zu fälschen, und dann in einem Zustand, als sei das Bild und der Stoff von Gestern, obwohl schon tausende Menschen an dem Bild vorbeigezogen waren, es berührt haben und tausende russende Kerzen davor gebrannt haben, als das Bild noch nicht unter einem Glasschutz war. Selbst ein Bombenattentat hat das Bildnis unbeschadet überlebt. Ein Wunder?

Das eigentliche Wunder aber war, dass Maria auf Grund des aztekischen Erscheinungsbildes von der indigenen Bevölkerung sofort begriffen wurde als eine „Mutter der Armen“ und in wenigen Jahren ganz Lateinamerika den katholischen Glauben angenommen hatte trotz der schlechten Erfahrung mit den europäischen goldgierigen Erobern.

Nun sind wir (Herr Kölsch und ich) am Werk. Zwei Sondierungsgespräche haben schon in der Geschäftsstelle von ADVENIAT in Essen stattgefunden und das Libretto ist auch schon halb fertig. Und wir hoffen, dass wir die Gemeinde noch einmal begeistern und zum Mitspielen gewinnen können.

 

Manfred v. Schwartzenberg